Camouflage Concept

Hormone und Pheromone in Wirtschaft und Gesellschaft

Oxytocin: Love Potion

Nice article on alphagalileo about the May 1st issue of Biological Psychiatry which includes a paper by Swiss researchers that have investigated the effects of oxytocin.

Relationships are difficult and most of us probably think at some point that communicating positively with our partner when discussing stressful issues, like home finances, is an impossible task. What if there was a safe way to take the “edge” off these discussions? The biology of human social relationships is just beginning to emerge as groundbreaking research on social cognition conducted in animals is now informing research in humans.

In its May 1st issue, Biological Psychiatry (http://www.elsevier.com/locate/biopsychiat), published by Elsevier, includes a paper by Swiss researchers that have investigated the effects of oxytocin, the “love hormone,” on human couple interactions. They recruited adult couples who received oxytocin or placebo intranasally before engaging in a conflict discussion in the laboratory. Oxytocin increased positive communication behavior in relation to negative behavior and reduced salivary cortisol, i.e., their stress levels, compared to placebo.

“We are just beginning to understand the powerful effects of hormones and chemicals released by the body in the context of important social interactions,” commented John Krystal, M.D., the editor of Biological Psychiatry. “As this knowledge grows, the question of how to best use our developing capacities to pharmacologically alter social processes will become an important question to explore.”

Author Beate Ditzen, Ph.D., noted that this was the first study of its kind and important because it evaluated real-time natural couple behavior in the laboratory. “[Oxytocin] might help us to pronounce the effects of a standard treatment, such as cognitive behavioral therapy, by possibly making the benefits of social interaction more accessible to the individual. But it probably will not replace these standard treatments.”

They clarify that this study does not show that oxytocin should currently be used as a treatment itself and the effects of repeated administration have not been evaluated in humans. In addition, important ethical concerns will have to be addressed, such as to what extent it should be used as a “treatment” and whether developed treatments could become drugs of abuse in the form of “social enhancers.”

April 29th, 2009 by Tim Heckhausen

ca. 70% aller Kaufentscheidungen fallen am Point of Sale

Schöne Zusammenfassung der GfK-Studie “Store Effect” auf mittelstandsblog.de.

“Knapp 70 % der Kaufentscheidungen fallen erst am sogenannten Point of Sale (POS). Welches Produkt es dann in den Einkaufswagen schafft, wird deutlich von der Markenstärke beeinflusst. Das ergab die Studie “Store Effect” der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Für sie wurden in der Vorderpfalz per Interview rund 800 Konsumenten befragt. Die Studie untermauert laut GfK erstmals einen in Marketingkreisen seit langem kursierenden Schätzwert.”

March 27th, 2009 by Tim Heckhausen

Heuschrecke auf Kuschelkurs

Serotonin, ein Hormon welches mit bekannten Hormonen wie Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin zur Gruppe der Monoamine gehört, sorgt offenbar dafür, dass Heuschrecken auf Kuschelkurs gehen. Aus einem Artikel auf Bild der Wissenschaft geht hervor, dass Serotonin die einzeln lebenden und harmlosen Wüstenheuschrecken zu geselligen Tieren mutieren lässt. Dann rotten sie sich zu Schwärmen zusammen und vernichten komplette Landstriche.

Wüstenheuschrecken kommen in zwei Ausprägungen vor, bei denen sich das Aussehen und vor allem das Verhalten stark unterscheidet: Sie leben entweder an einem festen Ort und meiden ihre Artgenossen, oder sie wandern in milliardenstarken Schwärmen durch Nordafrika, über die Arabische Halbinsel und Vorderasien und richten dabei große Verwüstungen an. Welches der beiden Verhaltensmuster die genetisch identischen Tiere entwickeln, hängt von den Umweltbedingungen ab. Leben viele Heuschrecken auf engem Raum, werden sie zu Schwarmtieren. Die Verwandlung dauert nur wenige Stunden.

Die Forscher lösten die Umwandlung in Versuchstieren aus, beispielsweise indem sie diese dem Geruch und dem Anblick anderer Wüstenheuschrecken aussetzten. Der Serotoninspiegel der Tiere stieg dabei deutlich an und blieb auch danach noch hoch, beobachteten die Forscher. Die Tiere verwandelten sich allerdings nicht, wenn die Serotoninwirkung in ihrem Organismus chemisch blockiert war. Daraus schließen die Forscher, dass Serotonin für die Umwandlung notwendig ist. Die Umwandlung ging deutlich schneller vonstatten, wenn die Wissenschaftler den Tieren künstliches Serotonin spritzten.

Auch die Rückverwandlung von Schwarmtieren zu harmlosen Einzelgängern ist möglich, sie dauert jedoch länger. Die Forscher vermuten, dass das Serotonin Gene aktiviert, die den Zustand als Schwarmtier festigen. Auf Basis ihrer Erkenntnisse könnten einmal chemische Mittel entwickelt werden, die verhindern, dass die Heuschrecken Schwärme bilden und zur verheerenden Plage werden. Serotonin ist auch beim Menschen ein wichtiger Botenstoff, der beispielsweise an der Regelung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist.

January 30th, 2009 by Tim Heckhausen

Mit Sexlockstoffen gegen Wirbeltiere

Zum ersten Mal werden in der Wissenschaft nun Pheromone gegen Wirbeltiere und nicht nur gegen Insekten eingesetzt. Ein synthetisches Pheromon wurde entwickelt um versehentlich eingeschleppte Meeresneunaugen in den Großen Seen zu Bekämpfen.

Seit mehr als 200 Jahren sorgen versehentlich eingeschleppte Meeresneunaugen (Petromyzon marinus) in den Großen Seen für große Probleme, weil sie dort lebende Arten stark zurückdrängen. Nun haben Forscher der Michigan State University ein künstliches Pheromon entwickelt, das die weiblichen Tiere direkt in die Falle lockt.

Den ganzen Artikel gibt es auf www.innovations-report.de.

January 22nd, 2009 by Tim Heckhausen

Unfruchtbar durch Trinkwasser

Drei Jahre lang untersuchten Forscher der Brunel University im United Kingdom of Great Britain das Wasser aus 30 Flüssen Englands. Ihr Fazit: Bestimmte Chemikalien im Trinkwasser können die Fortpflanzungsfähigkeit, genauer die Spermaqualität von Männern ernsthaft gefährden. In einem Artikel auf innovations-report.de heißt es:

Chemikalien im Trinkwasser könnten die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern gefährden. Das besagt eine britische Studie, die drei Jahre lang das Wasser aus 30 Flüssen Englands unter die Lupe nahm.

Die Biologen fanden einen Mix chemischer Substanzen, die über den Wasserkreislauf in den Körper gelangen, beim Mann das Hormon Testosteron blockieren und damit seine Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Frühere Erhebungen hatten bereits die ansteigende Dosis des Frauenhormons Östrogen im Wasser als Ursache für die Verweiblichung männlicher Fische identifiziert.

Studienleiterin Susan Jobling von der Brunel University betont, dass chemische Ursachen für Hormonschäden bei Tier und Mensch komplexer seien als angenommen. “Dieselbe Kombination der die Fische schädigenden Chemikalien ruft beim Menschen wahrscheinlich dieselben Effekte hervor”, so die Biologin. Was genau zur dieser Verschmutzung führt, wird derzeit erforscht.

“Die Spermienzahl hat in den meisten Ländern Europas in den letzten Jahrzehnten abgenommen”, sagt Marike Kolossa-Gehring, die Leiterin der Abteilung Toxikologie am Berliner Umweltbundesamt, im pressetext-Interview. Pflanzenschutzmittel, Biozide und weitere bereits seit längerem verbotene Stoffe seien dafür hauptverantwortlich. Belastend wirke sich auch der Wirkstoff der Antibabypille aus, der von den Kläranlagen nur teilweise aus dem Wasser gefiltert werden kann.

“Er stört die Eiablage bei Fischen und bei anderen Organismen der Natur”, so Kolossa-Gehring. Mittlerweile sei jedoch das Trinkwasser in Deutschland besser kontrolliert als das Mineralwasser. “Die Fruchtbarkeit von Männern wird jedoch nicht vorrangig über das Trinkwasser beeinträchtigt. Die Chemikalien werden auch über Lebensmittel, Atemluft und Haut aufgenommen, zudem beeinträchtigt die Lebensweise die Spermienqualität”, so die Giftexpertin.

“Männliche Unfruchtbarkeit durch Chemikalien ist in der westlichen Welt ein sehr aktuelles Thema”, betont auch der Linzer Männerarzt Georg Pfau http://www.maennerarzt-linz.at im pressetext-Interview. Die in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide würden durch die Umwandlung zu giftigen Xenoöstrogene besonders den männlichen Hormonhaushalt beeinflussen.

Möglichkeiten, diesen Substanzen in der Nahrung zu entkommen, gebe es wenige. Hingegen empfiehlt Pfau Männern einen bewussten Lebensstil zur Steigerung ihrer Fruchtbarkeit. “Bewegungsmangel und Übergewicht erhöhen den Östrogenspiegel, weshalb Sport und ausgewogene Ernährung zu empfehlen sind, wie auch der Verzicht auf Suchtgifte. Denn ein großer Anteil der Fruchtbarkeitsstörungen ist auch auf Nikotin-, Alkohol- und Drogenkonsum zurückzuführen”, so der Androloge abschließend.

January 20th, 2009 by Tim Heckhausen

Ist die Schönheit hormonbedingt?

Was würde wohl ein Alexander Gottlieb Baumgarten zu der These sagen, dass Schönheit vielleicht hormonbedingt ist? In den Nachrichten von Bild der Wissenschaft wurde ein Artikel publiziert, der neugierig auf mehr macht.

Das Schönheitshormon
Höhere Estradiolwerte gehen mit höherer Attraktivität bei Frauen einher

Frauen mit höheren Werten des Sexualhormons Estradiol im Blut finden sich schöner und werden von anderen auch als schöner empfunden. Sie haben zudem im Leben mehr Beziehungen und sind eher zum Seitensprung bereit. Das haben die Psychologen Kristina Durante und Norman Li von der Staatsuniversität von Texas in Austin gezeigt, als sie 52 Frauen zwischen 17 und 30 befragten und feststellten, wieviel Estradiol ihr Speichel vor und nach dem Eisprung enthielt.

Die Teilnehmerinnen bewerteten auf einer Skala von eins bis neun, wie attraktiv sie ihren Körper finden und wie sie auf Männer zu wirken glauben. Sie nannten die Zahl ihrer bisherigen Beziehungspartner und schätzen ein, wie schnell sie ihren Partner betrügen könnten. Unbeteiligte Studenten bewerteten ihr Aussehen auf Fotos.

Die Wissenschaftler sortierten die Frauen nach ihrem Estradiolspiegel und stellten fest, dass Frauen mit mehr Estradiol von sich und anderen eher als attraktiv bewertet wurden. Diese hatten in ihrem Leben durchschnittlich mehr lange Beziehungen und neigten stärker dazu, mit einem anderen Mann zu flirten, ihn zu küssen oder eine ernsthafte Affäre mit ihm zu haben. Die Bereitschaft zum One-Night-Stand und die Zufriedenheit in Beziehungen hingen hingegen nicht mit den Estradiolwerten zusammen.

Bekannt war bereits, dass hohe Estradiolwerte mit hoher Fruchtbarkeit einer Frau einhergehen. Mit ihrer Studie haben die Forscher nun auch einen Zusammenhang mit der Attraktivität einer Frau hergestellt. Ob Frauen mit viel Estradiol nur deshalb mehr Beziehungen haben und dabei sprunghafter sind, weil sie schöner sind und daher mehr Chancen bei attraktiven Männern haben, oder ob das Hormon auch einen direkten Einfluss auf das Sexualverhalten hat, können die Forscher bisher nicht sicher sagen.

Ich hoffe, dass es nicht zu lange dauert bis man weitere Berichte lesen kann.

January 14th, 2009 by Tim Heckhausen

Liebestaumel der Nase

Das ist doch mal ein Schöner Artikel auf http://www.wissenschaft.de. Liebe macht also nicht nur blind, sondern auch “geruchsblind”.

Romantische Gefühle beeinträchtigen den Geruchssinn von Frauen

Liebe macht auch die Nase blind, zeigt jetzt eine Studie kanadischer Forscher: Frauen, die schwer verliebt sind, haben Probleme, die Körpergerüche anderer Menschen auseinanderzuhalten – speziell derjenigen, die als potenzielle Partner infrage kommen. Dahinter steckt vermutlich eine generelle Strategie, die sich im Lauf der menschlichen Evolution herausgebildet hat: Indem Verliebte unempfindlicher gegenüber den sexuellen Signalen anderer werden, seien es nun Körpergeruch, das Aussehen oder andere Attribute, steigen die Chancen auf die Dauerhaftigkeit der eigenen Partnerschaft.

Zwanzig junge Frauen mit festen Partnern wurden von dem Forscherduo Johan Lundström und Marilyn Jones-Gotman unter die Lupe genommen. Alle füllten einen Fragebogen aus, in dem die Leidenschaft und die Stärke der romantischen Gefühle für den Partner bewertet werden sollten. Währenddessen ließen die Wissenschaftler die Lebensgefährten sowie einige männliche und weibliche Freunde der Probandinnen sieben Nächte lang in Baumwollt-T-Shirts schlafen, in die Kompressen zum Aufsaugen von Achselschweiß eingenäht waren. Im eigentlichen Test musste die Frauen schließlich aus drei T-Shirts – zwei von Fremden und eines von einem Freund oder dem eigenen Partner – dasjenige auswählen, dessen Duft sie kannten.

Den Partner zu erkennen, hatte keine der Frauen Schwierigkeiten, beobachteten die Forscher. Das Gleiche galt für die Geruchsproben von ihren Freundinnen. Anders sah es jedoch bei den männlichen Freunden aus: Je höher die Punktzahl einer Probandin im Fragebogen, je intensiver also ihre Gefühle für ihren Partner waren, desto schlechter konnte sie den Geruch eines Freundes von dem eines Fremden unterscheiden.

Ähnliche Effekte hatten Forscher in den vergangenen Jahren bereits in Bezug auf das Aussehen potenzieller Konkurrenten gefunden: Auch hier verringern starke romantische Gefühle die Attraktivität anderer Männer oder sie lassen zumindest den Eindruck, den diese Männer hinterlassen, schnell wieder verblassen. Johan Lundström interessiert nun vor allem, was im Gehirn der Verliebten passiert, um die Wahrnehmung derart zu verändern. “Ich bin ja schließlich kein Liebes-Guru – der Schwerpunkt des Projektes ist es, danach zu suchen, wie das Gehirn Gerüche verarbeitet”, kommentiert er.

January 8th, 2009 by Tim Heckhausen

Oxytocin bekommt Konkurrenz

Das Hormon Oxytocin bekommt Konkurrenz. Wie es in einem Bericht auf http://www.innovations-report.de heißt, zeigt eine Studie der Neurobiologen Prof. Inga Neumann und Dr. Oliver Bosch von der Universität Regensburg, dass das Hormon Vasopressin - bisher bekannt als Regulator des männlichen Sozialverhaltens - einen entscheidenden Einfluss auf das Fürsorgeverhalten von Müttern hat.

Bisher galt Oxytocin als “das” mütterliche Hormon, löst es doch während der Geburt die Wehen aus und ist für den Milchfluss beim Stillen verantwortlich. Darüber hinaus steuert Oxytocin als Botenstoff im Gehirn das mütterliche Fürsorgeverhalten.

Aber gerade in dieser Rolle bekommt Oxytocin nun Konkurrenz durch das strukturell eng verwandte Neuropeptid Vasopressin. Dieses Hormon ist bislang vor allem bekannt als Regulator des Angstempfindens, des männlichen Sozialverhaltens und der Wasserausscheidung über die Nieren. Wie Prof. Inga Neumann und Dr. Oliver Bosch in ihrer neuesten Studie zeigen, kann Vasopressin das mütterliche Verhalten von Ratten sogar stärker beeinflussen als Oxytocin. Den Nachweis erbrachten Versuche, in denen das Vasopressin-System im Gehirn der Rattenmütter blockiert wurde.

“Dies hatte zur Folge, dass die Mütter sich ihren Jungen weniger zuwandten, was wiederum direkten Einfluss auf die Entwicklung von Gefühlen und Sozialverhalten der Jungen haben kann”, so Dr. Bosch. Aktivierten die Forscher das Gen für die Vasopressin-Erkennung im Gehirn der Mütter, verbesserte das ihre Fürsorglichkeit deutlich.

Ihre Ergebnisse konnten die Neurobiologen in laboreigenen Rattenlinien verifizieren, welche über viele Jahre hinweg auf hohe bzw. niedrige Ängstlichkeit gezüchtet wurden. Interessanterweise zeigen die ängstlichen Rattenmütter mehr Zuneigung zu ihren Jungen, was wiederum auf die erhöhte Aktivität des Vasopressin-Systems in diesen Tieren zurückgeführt werden konnte. Es gelang den Forschern, aus guten Müttern schlechte zu machen und umgekehrt.

Durch ihre Studie konnten Dr. Bosch und Prof. Neumann erstmals zeigen, dass Vasopressin neben männlichem auch weibliches Sozialverhalten beim Säuger reguliert. “Es bleibt spannend zu erforschen, ob eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung durch eine Fehlregulation des Vasopressin-Systems erfolgt; eine fehlende Mutter-Kind-Bindung findet man zum Beispiel bei psychisch kranken Müttern, die an einer so genannten postpartalen Depression leiden”, führt Prof. Neumann an.

January 3rd, 2009 by Tim Heckhausen

Vertrauensmissbrauch

Spannender Artikel der Universität Zürich über die Wirkung von Oxytocin auf das menschliche Vertrauen, geschrieben von Roger Nickl, Redaktor vom unimagazin.

Wenn das Vertrauen missbraucht wird
Was bewirkt ein Vertrauensbruch in unserem Hirn? Und wie wirkt sich das Neurohormon Oxytocin auf unser Vertrauen aus? Diesen Fragen ist der Neuropsychologe Thomas Baumgartner in einer Studie nachgegangen, die jetzt im renommierten Wissenschaftsmagazin Neuron veröffentlicht worden ist.

Unsere Fähigkeit den Mitmenschen zu vertrauen, hält die Gesellschaft im Innersten zusammen. Ohne die Annahme, dass ein Gegenüber uns grundsätzlich wohl gesonnen ist, geht in der Liebe, aber auch in Wirtschaft oder Politik jedenfalls gar nichts. Doch woher stammt unser Vermögen einem anderen Vertrauen zu schenken? Und wie unterstützt unsere Biologie die Vertrauensbildung? Solchen Fragen sind Forscher des Universitären Forschungsschwerpunkts «Grundlagen des menschlichen Sozialverhaltens» der Universität Zürich in der Vergangenheit in verschiedenen Studien nachgegangen.

So wiesen die beiden Ökonomen Ernst Fehr und Michael Kosfeld gemeinsam mit dem Psychologen Markus Heinrichs 2005 in einer Aufsehen erregenden, im prestigeträchtigen Wissenschaftsmagazin «Nature» veröffentlichten Untersuchung nach, dass das Neurohormon Oxytocin, das von der Hirnanhangdrüse abgesondert wird, das Vertrauen in unsere Mitmenschen wesentlich erhöht. Das körpereigene Oxytocin gilt als typisches Sozialhormon: Es unterstützt die elterliche Fürsorge, es hilft aber auch, soziale Nähe herzustellen und Partner aneinander zu binden. Nachdem amerikanische Forscher die soziale Wirkung von Oxytocin bei Präriewühlmäusen nachweisen konnten, gehörten die Zürcher Forscher allen voran der Psychologe und Hormonforscher Markus Heinrichs weltweit zu den Ersten, die den Einfluss des Neuropepitids auch in Experimenten mit Menschen nachweisen konnten.

In den bisherigen Experimenten der Zürcher Forscher ist klar geworden, dass Oxytocin das Vertrauen in andere Menschen und die Bereitschaft, in sozialen Interaktionen Risiken einzugehen, erhöht. Unklar war bislang aber, was dabei im Gehirn vorgeht. Ungewiss war auch, ob das Neurohormon seine Wirkung auch dann noch entfaltet, wenn das geschenkte Vertrauen offenkundig missbraucht wurde. In einer Studie, die gestern im renommierten Wissenschaftsmagazin «Neuron» erschienen ist, konnte der Neuropsychologe Thomas Baumgartner gemeinsam mit Markus Heinrichs und Ernst Fehr diese offenen Fragen nun klären.
Risikospiel: Betrug inbegriffen

Grundlage für die Studie waren Vertrauens- und Risikospiele, die in leicht abgeänderter Form bereits in der «Nature»-Studie von 2005 verwendet wurden. Im Vertrauensspiel agierten 49 männlichen Probanden als Investoren – ein Teil von ihnen schnupfte vor dem Experiment einen handelsüblichen Oxytocin-Nasenspray, der andere Teil erhielt ein wirkstoffloses Placebo: Die Investoren konnten nun einem Treuhänder einen kleineren oder grösseren Geldbetrag anvertrauen (0, 4, 8 oder 12 Geldeinheiten). Wurde ein Betrag überweisen, verdreifachte der Experimentator die Summe. Der Treuhänder konnte den so entstehenden Gewinn nun fairer Weise mit dem Investor teilen, er hatte aber auch die Möglichkeit alles in die eigene Tasche zu stecken und den Spielpartner leer ausgehen zu lassen. Der Investor, der darum wusste, musste also das Risiko eingehen, betrogen zu werden. Im Risikospiel wurde derselbe Ablauf wiederholt – einziger Unterschied: Anstelle eines Treuhänders entschied ein Computer per Zufallsprinzip, ob der Gewinn geteilt wurde oder nicht.

In Baumgartners Experiment spielten die Probanden je 12 Runden des Vertrauens- und des Risikospiels. Während dieser Zeit wurden die Hirnaktivitäten der Teilnehmer von einem funktionellen Magnetresonanz-Tomographen aufgezeichnet. Nach der Hälfte der Spielzeit – nach also je sechs Spielrunden – erhielten die Probanden die Mitteilung, inwiefern sich ihr Vertrauen in die Treuhänder beziehungsweise das Risiko, den Entscheid über Gewinn und Verlust einem Computerprogramm zu überlassen, gelohnt hat oder nicht. Sowohl in der Placebo- als auch in der Oxytocin-Gruppe wurde das Vertrauen der Investoren im Durchschnitt in jeder zweiten Spielrunde missbraucht, respektive erbrachte das Risikospiel keinen Ertrag.
Vertrauen nicht verspielt

Nach dieser Information wurden nochmals je sechs weitere Runden gespielt. Was sich dabei zeigt: Während das Verhalten der Probanden im Risikospiel sich kaum veränderte – sowohl die Oxytocin- als auch die Placebo-Gruppe investierten etwa gleich wie zuvor –, konnte im Vertrauensspiel eine dramatische Verhaltensänderung beobachtet werden. Probanden, die bloss den Placebo-Spray geschnupft haben, handelten nach dem erfahrenen Vertrauensbruch deutlich vorsichtiger und investierten deutlich weniger als zuvor. Im Gegensatz dazu blieb das Vertrauen der Oxytocin-Gruppe in die Treuhänder ungebrochen.

Verändert hat sich aber nicht nur das Verhalten der Probanden, sondern auch die Hirnaktivitäten, die der funktionelle Magnetresonanz-Tomograph aufzeichnete. «Wir konnten ein eindeutiges neuronales Korrelat für die beobachtete Verhaltensänderung finden», sagt Thomas Baumgartner. Wie sich zeigte, ging das sinkende Vertrauen der Placebo-Gruppe mit einer verstärkten Aktivierung der Amygdalae – der so genannten Mandelkerne – und des dorsalen Caudatus einher. Hirnregionen also, die bei der Entstehung von Angst (Amygdala) und bei der Verhaltensanpassung nach einem negativen Erlebnis (Caudatus) erfahrungsgemäss eine wichtige Rolle spielen. Bei den Probanden, die unter Einfluss von Oxytocin standen, fand diese Aktivierung nicht statt.

Die Untersuchung konnte so ein klares Zusammenspiel von neuronalen Prozessen und menschlichem Verhalten nachweisen – und sie konnte zeigen, dass Oxytocin auch nach einem mittleren Vertrauensbruch wirkt. Dieser Befund ist auch insofern bemerkenswert, als dass das Neurohormon nur in sozialen Interaktionen zwischen Investor und Treuhänder seine Wirkung entfaltete – bei der Interaktion mit dem Computer spielte es keine Rolle. Thomas Baumgartner ist es so gelungen, ein weiteres Schlaglicht auf die Biologie unseres Vertrauens zu werfen. Neben der Grundlagenforschung könnte dieses Wissen künftig auch für die Klinik relevant sein: Oxytocin könnte – so hoffen die Forscher – die Therapie von Menschen mit grossen sozialen Ängsten – Sozialphobiker etwa oder Autisten – unterstützen.

January 2nd, 2009 by Tim Heckhausen

Oxytocin reduziert Stresshormone

Wieder ein spannender Bericht auf http://www.innovations-report.de. Forscher der Universität Zürich haben herausgefunden, dass eine Dosis des Hormons Oxytocin bei sich streitenden Paaren das Stresshormon Cortisol vermindert. Zudem verstärkt Oxytocin das positive Verhalten. Die Studie der Psychologin Beate Ditzen ist in der Fachzeitschrift “Biological Psychiatry” erschienen.

Verschiedene Studien in den letzten Jahren haben wiederholt gezeigt, dass das Hormon Oxytocin im Gehirn von Säugetieren - und damit auch von Menschen - die Regulation des Sozialverhaltens mitbestimmt. Beate Ditzen vom Psychologischen Institut der UZH hat nun zusammen mit Kollegen der Universität Zürich das Hormon speziell in Bezug auf das Verhalten in Partnerschaften untersucht.

Die Wissenschaftler baten 47 Paare im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, im Labor über ein für sie typisches Konfliktthema zu streiten. Vor dieser Konfliktdiskussion erhielten die Paare entweder das Hormon Oxytocin oder Placebo als Nasenspray verabreicht. Das Verhalten der Paare wurde per Video aufgezeichnet und mithilfe eines Kodiersystems analysiert. Ausserdem wurde das Stresshormon Cortisol bei beiden Partnern wiederholt im Speichel gemessen, um die psychobiologische Stressreaktion auf den Konflikt zu erfassen.

Beate Ditzen und Kollegen werteten nun das positive Verhalten wie z. B. Zuhören, Bestätigen oder Lachen während des Konflikts im Verhältnis zum negativen Konfliktverhalten wie Unterbrechen, Kritisieren oder Abwerten aus. “Paare, die Oxytocin erhalten hatten, schnitten signifikant positiver ab als Paare mit Placebo”, fasst Beate Ditzen das Resultat zusammen. Oxytocin verlängerte die Dauer des positiven Verhaltens im Verhältnis zum negativen Verhalten. Zudem waren auch die Cortisolwerte der Paare, die Oxytocin erhalten hatten, nach dem Konflikt niedriger als diejenigen der Placebo-Gruppe.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Oxytocin als neuronaler Mechanismus das Verhalten und die Stressreaktion bei Partnerschaften beeinflussen kann. Auch die Resultate einer früheren Studie, wonach Zärtlichkeit im Alltag von Paaren die Cortisolwerte vermindert, könnten auf die Wirkung von Oxytocin im Gehirn zurückzuführen sein. “Oxytocin ist damit ein möglicher biologischer Kandidat, der erklären könnte, warum Partnerschaften sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken”, erläutert Beate Ditzen.

Originalbeitrag:
Beate Ditzen, Marcel Schär, Barbara Gabriel, Guy Bodenmann, Ulrike Ehlert, Markus Heinrichs: Intranasal Oxytocin Increases Positive Communication and Reduces Cortisol Levels during Couple Conflict. Biological Psychiatry, doi:10.1016/j.biopsych.2008.10.011

December 28th, 2008 by Tim Heckhausen